Tödlicher Winkel
Zu den schwersten Unfällen im Straßenverkehr zählen die zwischen einem Lkw und einem Radfahrer oder Fußgänger. Ursache dieser Abbiegeunfälle ist häufig der „Tote Winkel“. An einem korrekt ausgestatteten Lkw sind sechs Spiegel oder Kamerasysteme angebracht, die dem Fahrer oder der Fahrerin eine Rundumsicht ermöglichen. „Aber die Rundumsicht funktioniert nur, wenn die Spiegel richtig fixiert sind“, gibt Jürgen Lebherz von TÜV SÜD zu bedenken. Laut EU-Verordnung 2019/2144 sind Abbiegeassistenten seit dem 6. Juli 2022 für neue Fahrzeugtypen und seit dem 7. Juli 2024 für alle neu zugelassenen Fahrzeuge Pflicht. Manche dieser Systeme funktionieren mit Kameras, andere mit Radar- oder Sensorsystemen.
Doch ebenso für Pkw-Fahrer ist der „Tote Winkel“ eine Gefahrenquelle. „Auch sie sehen oftmals Radfahrer, Fußgänger oder Motorradfahrer direkt neben dem Fahrzeug im Spiegel kaum oder gar nicht“, schildert Jürgen Lebherz seine Erfahrungen: „Deshalb ist der Schulterblick hier so wichtig, genauso wie vor dem Öffnen der Autotür und auf Autobahnen beim Überholen und Wiedereinordnen.“ Sonst werden andere Verkehrsteilnehmer schnell übersehen – mit möglichen tödlichen Folgen.
„Vor allem aber sollten die Außenspiegel richtig eingestellt sein. Was sich direkt hinter Ihnen abspielt, zeigt der Rückspiegel, der in Ihrem Auto angebracht ist“, so Lebherz. Dazu sollte man auf dem Fahrersitz sich so weit wie möglich an die linke Seitenscheibe lehnen. Dann wird der linke Außenspiegel so eingerichtet, dass er gerade noch einen kleinen Teil des Hecks zeigt. Um den rechten Außenspiegel in die richtige Position zu bringen, lehnt man sich etwas über die Mittelkonsole. Auch der rechte Außenspiegel sollte nun nur noch einen sehr kleinen Teil vom Heck zeigen. „In Ihrer normalen Fahrposition werden nun die beiden Außenspiegel deutlich mehr vom Verkehrsgeschehen zeigen als bisher“, erläutert der TÜV-SÜD-Fachmann. Der innere Rückspiegel wird so positioniert, dass er das Heckfenster in seiner Mitte zeigt.
Rad- und Motorradfahrer sollten grundsätzlich vermeiden, direkt neben einem Pkw oder Lkw zu fahren und einkalkulieren, dass speziell bei Lkw der tote Winkel sehr groß ausfällt. Deshalb sollte man selbst bei eigener Vorfahrt dringend darauf achten, dass der Autofahrer einen bemerkt hat. An einer roten Ampel oder einer Kreuzung sollten Radfahrer und Fußgänger über direkten Blickkontakt mit dem Fahrer sicher gehen, dass sie gesehen werden. Anhaltspunkt kann sein: Wer den Fahrer über den Außenspiegel nicht sieht, wird auch nicht gesehen. Dann hilft es außerdem, einen sicheren Abstand zum Fahrzeug zu halten – entweder weit davor oder dahinter – und zu warten, bis es abgebogen ist.